Schweizer Botschaft Algier

Residenz des Schweizer Botschafters

Algier, international Competition, 2017

Zu gewissen Stunden ist das Land schwarz vor Sonne. Die Augen suchen vergebens mehr zu erhaschen als die Tropfen von Licht und Farbe, die am Rand der Wimpern zittern. Der satte Geruch der würzigen Pflanzen reizt die Kehle und nimmt den Atem in der wahnwitzigen Hitze.

Sonnentag in Algerien; Albert Camus 1952

Wir verstehen das Gelände der Schweizerischen Botschaft in Algier als zusammenhängenden, grossen und prächtigen Garten in dem zwei Häuser stehen: Der Pavillon der Kanzlei als das administrative Haus mit öffentlichen Funktionen  und die neue Residenz des Botschafters als muraler Hauptbau mit repräsentativen Funktionen.
Beide Häuser stehen sowohl geometrisch als auch räumlich in Bezug zueinander. Die Kanzlei liegt als verzierter Pavillon leichtfüssig im terrassierten, ehemaligen Nutzgarten, während die neue Residenz solid und massiv als schweres Haus auf dem Plateau des Repräsentationsgartens steht. Die Präsenz des Gartens bestimmt den Ort. Die Zugänge zur neuen Residenz führen über das dichte Grün in das Haus.
 

Die neue Residenz wird als einfaches Haus konzipiert. Der Grundriss wird primär in Räume gleicher Ordnung organisiert und erinnert an klassische Villengrundrisse europäischen Ursprungs. Dem Garten wird eine offene, aber verschattete dreizügige Wandelhalle gegenüber gestellt, durch deren Mitte man die neue Residenz betritt. Die repräsentativen Räume sind als Enfilade parallel zur Gartenseite organisiert. Dieses einfache Raumprinzip erlaubt es, gleichermassen grosse wie kleinere und privatere Anlässe zu durchzuführen. 

Algerische Sonne

Der Bau thematisiert auf unterschiedliche Art und Weise die helle, einzigartige Algerische Sonne, die wir aus den Romanen von Albert Camus kennen. Die grossen Öffnungen in der Wand sind zwar breit, dafür aber sehr flach geschnitten. Die vorgelagerte Wandelhalle wird mit einer dichten Pergola zum Schattenspender und zur klimatischen Pufferzone, ebenso wie der private, eingezogene Aussenraum der Wohnung des Botschafters im Obergeschoss. Die Schlafzimmer sind mit kleinen, gerasterten Fenster versehen, die vor Sonnenlicht schützen und trotzdem effizientes Lüften im Schatten ermöglichen. Der Bau verfügt sowohl Aussen als auch Innen über genügend Masse, welche die Temperaturamplitude ausgleichen zu kann. Die weisse Farbe des Betons ist Anspielung auf den Mythos der Ville blanche Algier, dient zugleich aber auch der Reduktion der Wärmeabsorbtion durch die intensive Sonneneinstrahlung.

Äussere Anmutung und innere Materialität

Das Haus selbst wirkt robust und thematisiert die Wand. Die gestockte Betonwand mit einfacher Schalung lässt die handwerkliche Erstellung ersichtlich und bildet eine homogene Oberfläche, die  dem Haus eine blütenstaubartige „Bepuderung“ verleiht. Je nach Sonnenstand werden die Schatten auf der Wand weichgezeichnet. Der Beton ist nicht gestrichen, sondern analog dem der Kanzlei sichtbar gelassen und mit algerischem Weisszement und Marmorzuschlag durchgefärbt.
Im Inneren werden vor allem lokale Materialien verwendet. So werden die wildverlegten Kalksteinplatten im Inneren des Hauses in eine hexagonale Geometrie überführt, die das Motiv des prächtigen Gartens im Inneren des Hauses weiterführen. Je privater die Räume, desto feiner und  ruhiger die Geometrie der Platteneinteilung . 

Schweizer Botschaft Algier

Restricted Competition 
2017
Address: 
9-11, rue Slimane Amirat,
16070 Alger,
Algeria
Client: 
Bundesamt für Bauten und Logistik
Team:
Piet Eckert, Wim Eckert with André Passos and Bojana Miskeljin, Ozan Enginsal
Collaboration: 

Structural Engineering: Schnetzer Puskas Ingenieure AG, Basel
Landscape: Neuland ArchitekturLandschaft GmbH, Zürich
Building Physics: EBP Schweiz AG, Zürich
MEP: EBP Schweiz AG, Zürich